Unzensiertes Ich
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Eine Hand voll Muscheln...

Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens und der Liebe, der Beziehungen.
Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, sie würde nie zurückkehren.
Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie in der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab, in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.
Die einzige wirkliche Sicherheit liegt nicht im Soll oder Haben, im Fordern oder Erwarten, nicht einmal im Hoffen. Die Sicherheit einer Beziehung besteht weder in sehnsuchtsvollem Verlangen nach dem was einmal war, noch im angsvollen Bangen vor dem, was kommen könnte, sondern allein im lebendigen Bekenntnis zum Augenblick.
Denn auch die Beziehung muss wie eine Insel sein. Man muss sie nehmen, wie sie ist, in ihrer Begrenzung - eine Insel, umgeben von der wechselvollen Unbeständigkeit des Meeres, immerwährend vom Steigen und Fallen der Gezeiten berührt.
Man muss die Sicherheit des beschwingten Lebens anerkennen, seiner Ebbe, seiner Flut und seiner Unbeständigkeit.
Unbeständigkeit - das ist etwas, was menschliche Wesen nicht lernen können.
Wie kann man es lernen, die Ebben seines Daseins zu überleben? Wie kann man lernen, das Wellental zu akzeptieren?
Hier am Strand versteht man sie leichter, hier, wo die atemlose Stille der Ebbe ein anderes Leben enthüllt als dasjenige, welches für gewöhnliche Sterbliche sichtbar ist.
In diesem kristallklaren Schwebezustand erhält man plötzlich Einsicht in das verborgene Reich der Meerestiefe.
In diesen seichten Untiefen, deren warme Strömungen man durchwatet, findet man seltsame Muscheln, gebleichte Kiesel, im Sand vergrabene flachgeschliffene Marmorstücke; und unzählige farbenfrohe Muscheln schimmern aus dem Schaum und öffnen und schließen ihre Schalen wie Schmetterlingsflügel.
Die stille Stunde, in der sich das Meer zurückzieht, ist so schön wie die Stunde seiner Wiederkehr, in der die anstürmenden Wogen über den Strand donnern, den dunklen zerzausten Ketten aus Tang entgegendrängen, welche die Flutgrenze markieren.
Vielleicht ist das die wesentlichste Erkenntnis, die ich von meinem Strandleben mit nach Hause nehme: die Erinnerung, dass jede Phase einer Beziehung gültig ist.
Und meine Muscheln? Ich kann sie alle in meine Tasche stecken. Sie dienen nur dazu, mich daran zu erinnern, dass das Meer ewig verebbt und flutet.
Eine Hand voll Muscheln.

A. Morrow Lindbergh


23.12.06 10:30
 


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